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Liebe Groenibell's,

eine lange Zucht hat ihr Ende.

Meine kleine Julai ist am 27.März 2019 gestorben. Die letzte der Groenibells.

Fast hätte meine treue Seele noch ihren 16. Geburtstag feiern können.

Doch eigentlich wäre es für sie ein mehrfacher Geburtstag geworden. Schon mit 12 Jahren hatte ein massives Vestibulär Syndrom ihr kleines Leben umgekrempelt. Ich kann nicht beurteilen, wie grausam diese Krankheit in einem kleinen Kopf wütet, noch, wie sehr die daraus resultierende Beeinträchtigung des Gleichgewichtssinnes einen Instinkt getriebenen, gleichzeitig unendlich gehorsamen Hund belastet. Meine Julai war immer bereit, meinen Wünschen zu entsprechen, nicht stupide abwartend, sondern lustig ausgelassen. Dennoch, ein kleiner Pfiff genügte, und das brave Tier war zur Stelle. Ein so langes Hundeleben in Worte fassen zu wollen, es geht nicht. Kurz gesagt, ich habe diesen Hund geliebt.

Julai war mir ähnlich, wir verstanden uns blind. Sie war meine Familie. Sie wusste es. Sie konnte noch so beschwerlich aufstehen, doch sobald ich den Raum verließ, musste sie sich erheben, um mich zu suchen, meine Rückkehr zu erwarten.

Im Lauf der letzten Jahre, nach dem ersten Vestibulär Syndrom 2012, kamen noch einige Attacken dieser Art hinzu. Und jedes Mal kämpfte sie sich zurück zu einer Form von Normalität, zu einer eingeschränkten Bewegung, die ihr ermöglichte, unsere Spaziergänge zu bewältigen. Sogar, sie bestand darauf, morgens und nachmittags ihre Runde zu laufen, zu sehen, was auf den Wiesen rings um unser Haus passiert. Es wurden die Markierungen gelesen, Kommentare hinterlassen, selbst, wenn es beschwerlich war. Der „Acht Uhr Blatt Efeu“ war täglich zu kontrollieren, offenbar das facebook der Hunde in unserer Nachbarschaft. Und ebenso galt es ein „like it“ abzugeben, selbst, wenn die Beinchen schon ein wenig schwach waren.

Meine kleine Julai hat mein Leben bereichert, gelenkt, in Bahnen gelegt, mich zu Disziplin erzogen, denn, genauso, wie diese brave Hündin immerwährend für mich zur Stelle war, war es mir selbstverständlich, gleiches für sie zu tun. Und gern. Was kümmert mich ein Kinobesuch, wenn ein treues Tier auf mich wartet.

Julai war die letzte Hündin aus der Zucht der Groenibells, der Zucht meiner Frau, Gisi Stadlbauer, ja, und mir. Akribisch und mit Herzblut gezeugt und gehegt, hatten wir versucht, diese wundervollen Tiere gesund und edel zu züchten, ihre Schönheit zu mehren, ihre gesundheitlichen Schwächen durch geeignete Verpaarung zu minimieren. Andere mögen beurteilen, ob und wie uns dies gelungen ist.

Viele Krankheiten konnten wir unseren Welpen ersparen, manche, besonders den furchtbaren Krebs, leider nicht.

Mein Haus ist leer geworden. Alle Plätze, in allen Räumen, die wir gemeinsam nutzten, es fehlt meine kleine Julai. Ihr Platz ist verwaist. Und dennoch, ich gehe um die Flächen herum, sorgsam, um sie nicht zu betreten, denn es waren ihre Plätze, sind es noch. Nach nunmehr fast 38 Jahren, da wir zuerst Grischa, unsere Stammhündin hatten, dann immer zwei, drei oder vier Hunde, und schließlich als letzte, meine Julai, ist mein Haus mit so vielen Erinnerungen gefüllt, dass es nahezu unmöglich scheint, sich dieses Haus ohne Hund vorzustellen.

Ein Hütehund, wie eben Groenendael Hunde, sind immer bei ihren Menschen, bei ihrem Rudel, ihrer Herde. Gleich, ob in Küche, Badewanne, oder Büro. Zu jeder Zeit suchen diese Wesen ihre Herde, hüten und umsorgen sie. Jeden Morgen zur gesetzten Zeit, nach Spaziergang und anschließendem Frühstück, wanderte meine kleine Julai vorab ins Büro, legte sich unter den Schreibtisch, und - ward nicht mehr gesehen noch gehört. So lange, bis ich das Büro verließ. Und auch da wusste sie wohin, in die Küche, zum Mittagsmahl.

In den letzten Jahren konnte meine Julai die Treppe im Haus nicht mehr laufen, das mangelnde Gleichgewicht ließ dies nicht zu. Und trotzdem, sie wollte bei mir sein, nahm es hin, dass sie die Treppe getragen wurde, obgleich sie nicht gern hochgehoben wurde. Hauptsache, sie konnte neben oder unter meinem Schreibtisch liegen, miterleben, ob der Tag aufregend oder geruhsam war, mir Trost und Ruhe spenden. Eine feuchte Hundenase und ein unendlich treuer Blick lassen vieles in einem anderen Licht befinden. Meine Julai war ein kleiner Philosoph, sie zeigte mir, was wirklich im Leben Bedeutung hat, was es wert ist, gelebt zu werden. Alle unsere Hunde hatten das Gen des Lebenskünstlers, sie fühlten die Bedeutung des Augenblicks, sie zeigten es uns.

Im Lauf der Altersgebrechen von Julai, und der damit verbundenen Tierarztbesuche erhielten wir mehrfach die Aufforderung, nicht weiter auf Genesung des Hundes hinzuarbeiten, denn es lohne nicht, Julai sei ja bereits älter als 12 Jahre. Sie hat diese Aussagen Lügen gestraft. Sie wollte leben. Ein alterndes System, gleich Mensch oder Tier, ist immunologisch geschwächt, anfälliger für Infektionen oder bakterielle Angriffe. Doch ist dies ein Grund, ein Tierleben abzuschreiben? Wollten wir an uns diese Denkweise anwenden? Nein.

Ungeachtet es viele Tierhasser, Hundehasser gibt, jedes Lebewesen ist wertvoll!

Es ist Würde, die wir unseren Tieren angedeihen lassen müssen. Auch, wenn es darum geht, in Würde sterben zu dürfen.

Ich hoffe, ich habe meiner Julai ihre Würde erhalten, als ich entscheiden musste, dass ihr Lebensweg zu Ende gehen muss. Ich leide an ihrem Verlust, doch durfte sie nicht leiden.

Zwischen unserer ersten Zuchthündin Grischa und meiner letzten Hündin Julai lagen wenige Würfe, das Alphabet hätte noch manchen Buchstaben geboten. Es war nicht die Vielzahl an Welpen wichtig, es sollten kleine Persönlichkeiten geboren werden, stark und gesund, ihrer Rasse Ehre machend, und Glück bescherend ihren Besitzern.

Auch wenn wir aktuell keine Groenendael, keine Groenibells mehr züchten, so sind wir, bin ich dieser Rasse endlos verbunden. Sie hat mir so viel gegeben, so viel gezeigt, ich kann nur dankbar sein!

Meiner Julai, und allen unseren Groenibells, ja, diesem gelehrigen, vor allem treuen und gehorsamen Groenendael.

Und ich bin dankbar, da ich weiß, dass es immer wieder Züchter gibt, die ihre Welpen sorgsam und mit Liebe aufziehen, ihnen einen guten Start in die Welt geben, alles dafür tun, damit diese Tiere mit ihren Besitzern harmonisch leben können.

Danke kleine Julai!



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