Liebe Groenibell–Familie,
bislang bin ich für Euch nur immer im Hintergrund als Partner für Gisi mehr oder weniger in Erscheinung getreten. Gisi ließ Euch teilhaben an unserem Leben, an unserer Freude, an unserem Missgeschick, da sie Euch als ihre Familie betrachtete. Kern dieses Gedankens war immer die rückhaltlose Liebe zu den Tieren allgemein, den Hunden, gleich, ob anderen Hunderassen oder Belgiern, im Speziellen. Sie sah in Eurer Fürsorge für Eure Tiere Eure Aufrichtigkeit und genoss Eure Freundschaft.
Ich hätte niemals gewagt, für Gisi’ s Homepage etwas zu schreiben, geschweige denn, mich in ihre Korrespondenz einzumischen. Abgesehen davon, war sie schlicht diejenige, die jegliche Information über Hunde, ihre Gewohnheiten, ihre Krankheiten, ihre Therapien und Erziehungsmaßnahmen aufgesogen und all ihre Energie darauf verwandt hat, für Tiere und ihre Besitzer da zu sein.
Vielleicht deshalb habe ich oft gehadert, wenn sie sich stundenlang bemühte, eine Verhaltensweise einer Eurer Hunde zu analysieren bzw. Euch Ratschläge zu geben. Euch zu trösten, wenn Ihr ein geliebtes Tier verloren habt. Gisi hat Tage damit zugebracht, ihr Wissen und ihre Erfahrung Euch zu Verfügung zu stellen. Warum? Es war Gisi’ s Leben. Dies und ihre Homepage.

Selbst jetzt, da ich diese unglückliche Aufgabe übernommen habe, auf der Homepage einige Gedanken zu „Eurer“ und meiner Gisi zu schreiben, wird jeder Satz daraufhin geprüft, ob er inhaltlich oder formal der Seite gerecht wird. Wir haben oft um ein Bild, eine Formulierung oder einen Hintergrund diskutiert. Häufig haben Philipp oder ich Motive bzw. Tiere erneut fotografieren müssen, wenn sie Gisi’ s Ansprüchen nicht gerecht wurden. Umso glücklicher aber war sie über Eure Bewunderung ihrer Site.
Als Gisi’ s „Familie“ wisst Ihr, dass ich gesundheitlich ein bisschen lädiert bin. Wie das so ist, tragen die Angehörigen in so einem Fall die schwerste Last. Selbst wird man umsorgt, gepflegt und entlastet. Besonders in diesem, nunmehr vergangenen Jahr hatte Gisi dadurch furchtbar schwer zu kämpfen. Allein wie grausam es ist, in ein menschleeres Haus zu kommen und Sorge um den geliebten Menschen zu haben, musste ich in den letzten Tagen wieder erfahren.
In diesem Jahr habt Ihr Gisi den Trost und die Zuversicht gegeben, um Alles leichter ertragen zu können. Dafür bin ich Euch sehr dankbar!
Gisi’ s ganze Vorfreude war auf den im Frühjahr geplanten Wurf ausgerichtet. Sie wollte ein neues Haus suchen in einer Umgebung, die noch mehr unseren Hunden gerecht würde. Gleichzeitig sollte Alles für uns bequemer und einfacher werden.
Besonders die Perfektion des Welpenzimmers stand ganz oben auf der Liste. Ich hatte bereits erste Anweisungen, wie die neue Wurfkiste auszusehen hatte. Auch die mehrstufigen Ausläufe sollten für den zukünftigen Wurf wieder neu und verbessert gebaut werden.

Gisi und ich haben über 23 Jahre miteinander verbracht. Es verging kein einziger Tag, der nicht als wesentlichen Bestandteil unsere Tiere und das Thema Hund hatte. Kein Tag, an dem sie nicht traurig war, wenn der Alltag sie mehr als unbedingt nötig von unseren Tieren trennte. Sie wäre jederzeit in einen Schuhkarton gezogen, vorausgesetzt, es wäre erforderlich gewesen, um ihre geliebten Tiere behalten und versorgen zu können.
Einige von Euch haben sich von Gisi harsche Worte sagen lassen müssen, wenn sie der Meinung war, dass den Tieren ein Nachteil widerfuhr, der hätte vermieden werden können. Gleichzeitig war sie jederzeit bereit, ihren Rat zu vermitteln, selbst falls dies wiederholt geschehen musste.
In Gisi’ s Schubladen, elektronisch im PC, mechanisch in ihrem Schreibtisch oder virtuell in ihrem Kopf sammelten sich Informationen und Erkenntnisse, die zu einem Buch werden sollten. Leider fehlte Gisi bisher immer wieder Zeit und Muße, diese Sammlung zu einem fertigen Buch zu verarbeiten. Ob es uns gelingt, diese Erkenntnisse im Sinne unserer Gisi zusammenzutragen, muss die Zeit zeigen.
Gisi hat Friedhöfe und Trauerfeiern nicht leiden mögen. Ganz im Gegenteil, sie machte einen großen Bogen um diese Art der Ehrbezeugung. Sie war der Meinung, dass die Ehre dem betreffenden Menschen zu Lebzeiten zuteil werden müsste, nicht posthum auf einem Friedhof.
Glücklich war sie darüber, viele von Euch zu Freunden zu haben und mittels Mail und Internet Kontakt haben zu können.
Wir wollen deshalb dieses Medium wählen, um Gisi einen Gruß zukommen zu lassen.
Wolfgang Koch